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Exlusiv Interview
Duck Duck Hurra!
Von Diana Sonnenberg | 23. Mai 2008    Drucken eMail
Wer kennt sie nicht, Disneys Comic-Helden Donald Duck, Micky Maus und Co.! 1928 betritt Micky Maus erstmals die Comic-Strip-Bühne und schon 1934 folgt Donald Duck. Seitdem erobern die Disney-Figuren die ganze Welt. Sie sind Symbole der amerikanischen und europäischen Kultur und haben sich einen hohen Stellenwert gesichert. Seit 1982 ist die Braunschweiger Künstlergruppe interDuck dem Phänomen des Disney-Kults auf der Spur. In ihrer Ausstellung Überall ist Entenhausen, die heute unter dem Titel Die Duckomenta durch die verschiedensten Länder tourt, zeigen die Künstler ihre Werke. Diana Sonnenberg hat für chexx mit dem Gründer von interDuck, Prof. Dr. Eckhart Bauer, gesprochen.

COCKTA!L Wie kamen Sie in den 80er Jahren auf die Idee, sich mit Micky Maus und Donald Duck zu beschäftigen und daraus eine Ausstellung mit dem Titel Überall ist Entenhausen zu erschaffen?

Eckhart Bauer Die Grundidee für die Ausstellung ist Mitte der 80er Jahre entstanden, das ist richtig. Aber die Idee als solche entstand bereits in den 60er Jahren in meiner Studentenzeit. Ein Studienfreund schenkte mir eine Donald Duck Figur, die den Schnabel bewegen konnte und sich drehte. Diese Figur war so witzig, dass sie sozusagen der Startpunkt war, um die Augen für das gesamte Merchandising zu öffnen. Daraus entstand meine Sammelleidenschaft für Disney-Produkte. Vorerst legte ich die Sammlung ohne Ziel an. Ich sammelte beispielsweise ein Donald Duck-Handtuch oder Seife mit Micky Maus. Als ich zwei große Kisten zusammen hatte, zeigte ich die Sachen meinen Studenten in einem Seminar und die waren begeistert. Wir haben dann eine Interessengruppe gebildet. Aber erst 1986 kam es dazu, dass wir die Möglichkeit bekamen, auf dem 2. Comic-Salon in Erlangen eine Ausstellung auf die Beine zu stellen.

COCKTA!L Was war bzw. ist der Grundgedanke dieser Ausstellung?

Eckhart Bauer Die Idee war, zu zeigen, dass sich die amerikanische der europäischen Kultur bemächtigt. Es ging uns in den 80er Jahren darum, europäische Lebensart vor der anrollenden Wuchtwelle der Amerikanisierung zu reflektieren. Wir fragten uns nach der Eigenkultur und welche Substanz diese besitzt. In der damaligen Zeit ist es nicht anders gewesen als heute: Die neue Generation übernimmt kritiklos fast alles aus Amerika. Man denke nur an McDonalds, Levis oder das heutige Denglisch. Amerika hat zwar seine Qualitäten und ich bin der Popkultur und Amerika sehr zugeneigt, aber zugleich eben auch der europäischen Kultur. Das Überschwemmen mit amerikanischen Produkten ist in meinen Augen ein eher negativer Aspekt der Amerikanisierung. Bei der Ausstellung handelt es sich überwiegend um eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema. Aber sie soll natürlich trotz dieses kritischen Blicks auch eine Augenlust sein.

COCKTA!L Warum wurde die Ausstellung von Überall ist Entenhausen in Duckomenta umbenannt?

Eckhart Bauer Bis vor einigen Jahren tourte die Ausstellung unter dem Namen Überall ist Entenhausen. Seitdem ist sie jedoch unter dem Titel Duckomenta unterwegs, weil der Titel einfach griffiger ist. Die Duckomenta war immer die Bilder-Abteilung der Überall ist Entenhausen-Ausstellung, die aber ständig erweitert worden ist, zum Beispiel um Skulpturen wie die Duckfretete oder die Ötztaler Mumie, bei uns der Dötzi. Momentan sind wir bereits bei knapp 400 Kunstwerken angelangt.

COCKTA!L Das heißt, auch heute noch werden immer neue Werke für die Duckomenta produziert? Von wem?

Eckhart Bauer Ja, es kommen immer neue Werke hinzu. Seit 1986 wird laufend produziert. Alles entwickelte sich ja aus der Seminargruppe, die dann Workshops bei mir zu Hause veranstaltete. Zu diesem Zweck hatte ich auf einem Dorf eine alte Schule gemietet. Dort trafen wir uns an den Wochenenden. Wir kochten, hörten Musik und tranken zusammen. Auf diesen Aktionswochenenden war die Motivation einfach größer und man kann sagen, dass es vielmehr so etwas wie Malfeste waren. Das war der unvergessliche Startschuss. Ab diesem Zeitpunkt wurde es zum Selbstlauf und ließ mich seitdem nicht mehr los. Die Kerngruppe von interDuck besteht auch heute noch. Es handelt sich um vier Künstler: Prof. Volker Schönwart, Ommo Wille, Rüdiger Stanko, Anke Doepner und mich. Auch heute noch produzieren wir die Kunstwerke selbst. Nur in seltenen Fällen, wo sehr schnell viele neue Werke für eine Ausstellung angefertigt werden sollen, engagieren wir auch andere Künstler. Aber dann sind meine Kollegen sozusagen die Art Directors, die die gesamte Konzeption entwerfen und alles überwachen.

COCKTA!L Für welches Publikum ist die Duckomenta in erster Linie gedacht?

Eckhart Bauer Anhand der Ausstellungsbücher kann man sagen, dass es eine Familienausstellung ist, denn oft ist zu lesen: Endlich eine Ausstellung für die ganze Familie. Wir haben es ursprünglich gar nicht so erdacht, denn in erster Linie dachten wir eher an Studenten und Szenepublikum, die mit Persiflage umgehen können. Es hat sich dann aber schnell gezeigt, dass sehr viele Eltern mit Kindern unsere Ausstellung besuchen. Im eigentlichen Sinne ist es allerdings keine Kinderausstellung. Aber sie führt ab einem gewissen Alter Kinder und Jugendliche an Werke der Kunstgeschichte heran. Auch wird die Ausstellung immer gerne von Kunsterziehern mit ihren Schulklassen besucht. Im Kern wird allerdings ein Publikum mit relativ gutem Bildungsstand angesteuert. Es ist also immer gut, wenn die Besucher eine Ahnung davon haben, wie das Original eines Werkes aussieht, selbst wenn sie es nur von einer Postkarte kennen. Manche sind hinterher inspiriert, sich mit dem Kunstwerk noch einmal näher zu beschäftigen.

COCKTA!L Sie sprechen gerade die verfremdeten Werke an. Nach welchen Kriterien werden sie ausgesucht?

Eckhart Bauer Es werden immer Bildwerke ausgewählt, die in ihrem Original populär sind. Die Mona Lisa kennt praktisch jeder. Das ist das wichtigste Kriterium. Der andere Schwerpunkt besteht darin, dass es sich in erster Linie um Werke der alten Kunst oder der klassischen Moderne handelt, weil sich die Kunst der Gegenwart nur sehr begrenzt eignet, eben weil sie nicht so bekannt ist. Wir haben jedoch nicht nur Kunstwerke, sondern auch sehr viele Dinge aus dem Bereich der Kulturgeschichte.

COCKTA!L Welche Reaktionen ruft die Duckomenta bei den Besuchern und in der Öffentlichkeit hervor?

Eckhart Bauer Meistens überwiegen positive und enthusiastische Reaktionen. Es gibt nur erstaunlich wenig Verkennung der Ausstellung. Es gab vor etwa 20 Jahren mal eine Journalistin, die völlig empört war und überhaupt nichts mit den Werken anfangen konnte. Sie ist der einzige Mensch, an den ich mich erinnern kann, der empört war. Sie hat einfach nicht verstanden, dass wir nicht gegen die Kunstgeschichte sprechen, sondern, wenn überhaupt, gegen eine Überhand nehmende Amerikanisierung oder Verfremdung. Aber die Meisten sind einfach nur begeistert, was man auch an den Besucherbüchern sehen kann. Bei den Museen sehen die Reaktionen da seit den 80er Jahren schon anders aus. Die eher traditionell denkenden Museumsdirektoren wollen unsere Ausstellung nicht in ihrem Haus haben. Da viele Museumsdirektoren eher auf den Kunstmarkt gepolt sind, sind wir auch eher Grenzgänger. Es gibt allerdings auch Museen, die für das, was wir machen, ein großes Interesse haben, wie etwa das Bremer Überseemuseum, das Museum Bochum, der Kunstverein Wiesbaden, das Palais Palffy in Wien oder auch die Kunsthalle Rotterdam. Genau diese positiven Reaktionen machen immer wieder Mut.

COCKTA!L In der Ausstellung gibt es auch makabere Situationen zu sehen, wie beispielsweise Micky Maus blutüberströmt und tot in einer Nähmaschine. Warum dieser Bruch mit der heilen Disney-Welt?

Eckhart Bauer Dieser Bruch war nur logisch, denn wir konnten Entenhausen ja nicht eins zu eins abbilden. Die niedliche Stadt sieht man in den Filmen und in den Comic-Heften. Wir hingegen wollten szenisch auch das Undenkbare darstellen. Micky Maus tot in einer Nähmaschine oder Mausefalle, das ist ein Szenario, das es in der Realität nicht geben dürfte, denn dies würde das Ende des Disney-Konzerns ausdrücken, oder zumindest das Ende der Hauptidentität Disneys. Während der Konzern natürlich kindgerecht ist, zeigen wir auch einige Ausstellungsstücke, die nicht für Kinderaugen bestimmt sind. Diese sind allerdings in der Ausstellung didaktisch dementsprechend aufbereitet.

COCKTA!L Sind bei der Ausstellung schon Bilder entwendet worden?

Eckhart Bauer Glücklicherweise nicht.

COCKTA!L Stammen einige Werke der Duckomenta von Ihnen selbst?

Eckhart Bauer Im Speziellen sind das zwei Objekte, weil ich ja im eigentlichen Sinne kein Künstler bin und leider auch wenig Zeit habe. Aber es gibt ein Bild von Salvador Dalí, in dem ich die fließenden Uhren durch Micky Maus ersetzt habe, die über einem Ast hängt. Des Weiteren gibt es eine Niki de Saint Phalle Figur in Form einer Micky Maus von mir. Ich würde sehr gerne mehr machen, aber die Arbeit ist sehr zeitaufwendig und deshalb überlasse ich das lieber den Anderen.

COCKTA!L Welches ist Ihr Lieblingswerk und warum?

Eckhart Bauer Es gibt mehrere Bilder, die herausragend sind. Hiermit nenne ich nur eines von mehreren als Beispiel. Es ist ein Bild nach Philipp Otto Runge (1777-1810): Die Hülsenbeckschen Kinder (1806). Es handelt sich um ein romantisches Bild, auf dem Kinder und ein Bollerwagen zu sehen sind. Im Hintergrund ein Gartenzaun und Sonnenblumen. In unserem Bild ist natürlich alles verduckt, selbst die Verzierungen des Gartenzauns.

COCKTA!L Warum sollte man die Ausstellung unbedingt besuchen?

Eckhart Bauer Weil sie in Europa einmalig ist. In dieser Form könnte selbst ein Milliardär so eine Ausstellung nur schwer noch einmal produzieren, weil so viel Arbeit im Detail steckt: Liebe, Herz, Spaß, Emotionen und vor allem sehr viel Arbeit und Können der einzelnen Künstler. Auch auf den zeitlichen Aspekt bezogen könnte eine solche Ausstellung nur schwer noch einmal in dieser Form reproduziert werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Leute von unserer Ausstellung gehört haben, auch wenn sie die Ausstellung selbst noch nicht besucht haben. Sie hat sich also gewissermaßen als Kultur etabliert.

COCKTA!L Wo war die Duckomenta schon überall zu sehen?

Eckhart Bauer In erster Linie natürlich in Deutschland. Interessanter Weise aber nur sehr selten in Norddeutschland. Dort können wir einfach nicht landen. Die einzigen norddeutschen Städte waren Braunschweig, Hannover und Bremen. Wir versuchen es seit über 20 Jahren bei den verschiedensten Institutionen in Hamburg, aber dort kommt einfach keine Ausstellung zustande. Das Übersee-Museum in Bremen war bisher die nördlichste Stadt in Deutschland. Dann waren wir bereits in Tübingen, wo unsere Ausstellung mit in die Schaukästen des archäologischen Museums integriert war. Das Besondere dabei: Die Besucher mussten unsere Produkte wie Ostereier in der bestehenden archäologischen Abteilung suchen. Da befand sich beispielsweise eine echte Münze neben einer Duckomenta-Münze. Im Jahre 2000 bekamen wir von der Kunsthalle in Rotterdam den Auftrag, die Geschichte der Enten in Analogie zur Menschheitsgeschichte, also von der Urhöhle bis heute, darzustellen. Da gab es dann eine Mammutszenerie oder eine Erklärung, wie die Enten zum aufrechten Gang kamen. Das war wirklich ein riesiges Projekt und ein unvergessliches Erlebnis.

COCKTA!L Welche Länder sind noch geplant?

Eckhart Bauer In Paris hatten wir bereits kleinere Ausstellungen und wollen versuchen, dort noch mal mit einer größeren Ausstellung zu landen. Dann wollen wir nach Skandinavien, Russland, Italien und Japan. Sogar nach Dubai bestehen Verbindungen. Allerdings muss man bei diesen Planungen immer äußerst lange Zeiträume bis zur Realisierung in Kauf nehmen. Die nächste größere Duckomenta findet von Frühjahr bis Herbst 2009 im Schloss Bad Mergentheim statt.

COCKTA!L Müsste man die Stadt Braunschweig als Geburtsort des Gedankens nicht wieder stärker in den Mittelpunkt der Ausstellung rücken? Was hat die Stadt noch von der Ausstellung?

Eckhart Bauer Indirekt wird Braunschweig immer genannt. Wenn unsere Ausstellung irgendwo gezeigt wird, dann immer mit einem Verweis auf den Entstehungsort, der Kunsthochschule in Braunschweig. Mehr kann man natürlich nicht machen, weil die Stadt an sich ja nichts direkt mit unserem Projekt zu tun hat. Aber da die Ursprünge in Braunschweig liegen, wird der Ort immer angegeben.

COCKTA!L Wird die Duckomenta eine ENTlosausstellung oder ist ein ENTE in Sicht?

Eckhart Bauer Die ENTE hat kein ENDE. Wir versuchen es so lange wie möglich auszukosten. Aber irgendwann wird es natürlich zu einem Ende kommen. Das war auch so gedacht. Es gab schon oft Phasen der Überlegung, aufzuhören, weil die Anstrengung doch zu groß ist, aber die Beliebtheit beim Publikum hat uns weitergetrieben.

COCKTA!L Was ist für die Zukunft geplant? Vielleicht doch ein Entenhausen-Museum in Braunschweig?

Eckhart Bauer Der Grundgedanke ist schon, die Duckomenta dauerhaft irgendwo aufzunehmen. Noch ist das Vorhaben, die Ausstellung fest in dieser Region unterzubringen nicht aufgegeben. Unsere Vision ist ein Museum für Populärkultur, um darin auch das Entenhausen-Projekt zu integrieren. Das Konzept ist schon da, es fehlen eigentlich nur Gelder und die passenden Räumlichkeiten. Aber wenn die Bedingungen mal gegeben sind, dann kann man darüber nachdenken, die Ausstellung in unserer Umgebung zu verankern. Man darf also gespannt sein, was die Zukunft bringt.

Die Duckomenta im Internet: www.duckomenta.de

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