
a guide to modern country livinghaben sich die sechs Twangs an beliebte Songs gemacht und sie countryfiziert. Neben
Beat itvon Michael Jackson finden sich auch Mark Knopflers
Brothers in Armsoder der legendäre Jeans-Song
Jeans onvon David Dundas auf dem Silberling. The Twang sind Hank Twang (Lead Vocals), The Marshall (Guitar), Baeno Van Twang (Guitar), Reverend Al Twang (Guitar, Banjo, Strumstick) und A. K. Twang (Drums). Mehr erfährt auch der neugierige Fan im Internet nicht über die Formation, die sich im 1998 gegründet hat. Wir haben nachgefragt. Das Interview mit Hank → Twang führte Katharina Rosch.
COCKTA!L Wie ist überhaupt die Idee entstanden, Lieder von wirklich anerkannten Musikern, die in die Geschichte eingegangen sind, so zu verändern, dass man sich beim Anhören nicht nur um Jahrzehnte zurück sondern auch um mehr als 7000 Kilometer westwärts versetzt fühlt?
Hank Twang Die Idee ist tatsächlich 7000 Kilometer westwärts entstanden. A.K. und ich, beide damals in anderen Bands aktiv, haben gemeinsam Musiker-Freunde in Texas besucht. Dort ist Country-Musik eine Selbstverständlichkeit. Musiker können dort Rock, Blues, Soul und Funk spielen und im nächsten Moment einen → Country-Song anstimmen. Dafür brauchen die weder einen Stetson noch Boots. Die Musik ist ein authentisches Lebensgefühl, dass weit weg ist von den schlimmen Klischees, die den meisten Menschen hierzulande bei Country einfallen. Wir wollten auch so eine Band haben und wir brauchten einen Kniff, um uns gleich klar zu positionieren. Da ist die Idee der Countryfizierung entstanden.
COCKTA!L Wie sucht Ihr die Stücke aus, die Ihr anschließend countryfiziert, also in den Country adaptiert und zum Teil so verfremdet, dass man das Original gar nicht mehr heraushört?
Hank Twang Der Originalsong muss ein Klassiker sein, oder das Zeug zum Klassiker haben. Nur dann haben die Zuhörer auch die Chance herauszufinden, welcher Originalsong den Western-Klängen zu Grunde liegt. Dieses Ratespiel macht ja durchaus einen Teil des Spaßes aus. Eigene Musik-Vorlieben spielen gar nicht mal so eine große Rolle, wir haben mittlerweile ja sogar Bohlen countryfiziert.
COCKTA!L Habt Ihr keine Hochachtung vor Meilensteinen in der Musik? Oder an welches Stück wagt Ihr Euch (vorerst) nicht ran?
Hank Twang Mmmh, Hochachtung vor Popkultur? Selten! Achtung? Ja. Aber wir veralbern die Songs ja nicht, sondern zollen ihnen zumeist Tribut. Gerade durch eine Adaption in ein anderes Genre kann man einigen Songs andere Aspekte abgewinnen oder ihnen sogar einen anderen Charakter verleihen. Und einige Klassiker haben sich so in das popkulturelle Bewusstsein gebrannt, dass gerade eine andere Version ihnen neue Frische einhauchen kann. Wenn uns eine Countryfizierung allerdings nicht gefällt, dann verfolgen wir sie auch nicht weiter.
COCKTA!L Ihr bedient Euch genre-übergreifend. Man findet Michael Jackson-Songs aber auch Stücke von Billy Idol, The Cure oder gar → Pink Floyd auf Eurer Playlist. Gibt es ein Genre, welches Ihr außen vorlasst?
Hank Twang Möglichst nicht, aber Hip-Hop ist unheimlich schwierig. Rap unterliegt anderen metrischen Strukturen, als die klassischen Pop-, Rock-, Blues-Schemata. Da gibt's unheimlich viel Text ohne klare Struktur, deswegen gibt's nur alle Jubeljahre mal einen countryfizierten Hip-Hop-Song. Ansonsten versuchen wir möglichst in jedem Genre zu wildern. Wir versuchen aber auch ebenso die Songs in verschiedene Country & Western Spielarten zu konvertieren. Country ist ja nicht gleich Country, da gibt's Bluegrass, Honkytonk, Cajun, Western-Swing, Outlaw-Country und so weiter und so fort... Auch da versuchen wir möglichst ein breites Spektrum abzudecken.
COCKTA!L Welches ist die meist gehasste Frage bei Interviews?
Hank Twang Mmmmmh, eigentlich gibt es keine verhassten Fragen. Es gibt Fragen, die wiederholen sich oft (Name? Spielart!). Es gibt Fragen nach anderen Countryfizierern (kennen wir alle, schätzen wir fast alle). Und es gibt Fragen, die mit der Musik nicht mehr so viel zu tun haben. Wir beantworten brav alles...
COCKTA!L Wie lange braucht Ihr etwa, um ein Stück zu countryfizieren?
Hank Twang Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal hört
man ein Original und hat die countryfizierte Fassung fast schon
sofort im Kopf. Manchmal tüfteln wir eine gefühlte Ewigkeit an
einem Song. Für Bohemian Rhapsody
haben wir Monate
gebraucht. Immer wieder haben wir an Teilen gewerkelt. Zumeist geht
es aber bedeutend schneller. 
COCKTA!L Das Cover der neuen CD habt Ihr von → Klaus Voormann gestalten lassen. Setzt Ihr Euch damit nicht unter Druck, die nächste Scheibe auch wieder von ihm oder einem seiner berühmten Kollegen gestalten zu lassen?
Hank Twang Nein, bei allen regulären Alben haben wir
jeweils Künstler gefragt, die wir sehr schätzen. Der
Wahl-New-Yorker Matthias Mencke hat mittlerweile gleich zwei Cover
für uns gestaltet. Jon Langford, der wie Klaus Musiker und Künstler
ist, hat das Artwork von Let There Be Twang
gemacht.
Klaus Voormann mag vielleicht der bekannteste dieser Künstler sein,
aber wir sind auch auf die anderen Cover ziemlich stolz. Ich denke
auch in Zukunft werden wir schöne oder interessante Cover haben -
ganz ohne Druck.
COCKTA!L Wenn Ihr zurück an Euren Ursprung denkt, was ist Euch aus Eurer musikalischen Vergangenheit peinlich?
Hank Twang Das wir nach einer Texas-Tour vor einem großen Konzert dachten: Das schaffen wir nach der Tour auch ganz ohne Proben. Mit geschwellter Brust haben wir ein grauenvolles Konzert gegeben, bei dem alles schief gelaufen ist, was nur schief laufen kann... Das hat uns schnell und dauerhaft geerdet!
COCKTA!L Habt Ihr diese Frage ehrlich beantwortet?
Hank Twang Ja!
COCKTA!L Seid Ihr schon einmal mit der gleichnamigen britischen Band verwechselt worden?
Hank Twang Natürlich. Das bleibt leider nicht aus. Wir hatten mit denen einen ziemlich zermürbenden juristischen Disput, weil die Rechte an dem Namen bei uns liegen. Besonders für Fans beider Bands ist die Namensgleichheit ein Ärgernis: Die Engländer wollen keine fröhliche Countryfizierung, die Country-Fans kein Posh-Gerappe auf Edge-Gitarre. Wir haben uns mittlerweile getroffen und auch außergerichtlich geeinigt. Und ein gutes hat die Namensgleichheit dann doch: Wir verkaufen ne Menge Alben in England!




















