COCKTA!L | magazincocktail.de Logo
Du und magazincocktail.de - Dein Kulturmagazin im Norden am Samstag, 04. September 2010
Interview
Dustin Hoffman: Filmemachen hat etwas mit Zauberei zu tun
Von Constantin | 05. September 2006    Drucken eMail

COCKTA!L Was macht eigentlich ein gutes Parfum aus?

Dustin Hoffman Zuerst einmal ist da die unverwechselbare Sinnesempfindung, der unmittelbare erste Eindruck, wenn jemand einen Parfumduft in die Nase bekommt. Zum anderen ist es im wahrsten Sinne die Persönlichkeit eines Parfums, die letztlich bestehen bleibt. Die Krönung allerdings bleibt die Seele eines Duftes, seine Musik, die am meisten über ihn aussagt. Eigentlich aber gilt diese Sichtweise - also der erste Eindruck, die Persönlichkeit und die Seele - letztlich für alles, was wir Menschen tun. Denn wir wollen doch in unsere Tätigkeiten so etwas wie Seele hinein geben, um unsere Mitmenschen von uns zu überzeugen oder sogar zu betören.

COCKTA!L Dazu gehört wohl auch der Prozess des Filmemachens?

Dustin Hoffman Sicher, denn gerade das Filmemachen hat etwas mit Zauberei zu tun. Nehmen wir zum Beispiel ein Flugzeug. Dieses technische Gerät sieht auf den ersten Blick überhaupt nicht danach aus, als würde es fliegen können. Und man ist überrascht, wenn es das schließlich doch tut. Ähnlich ist das Filmemachen, das anfangs ungemein technisch daherkommt und am Schluss doch so etwas wie Magie beinhaltet. Daher kann es gut und gern passieren, dass man nach einem vierzehnstündigen Drehtag plötzlich diesen einen ultimativen Moment verspürt, der allen Stress aufwiegt: wenn alles passt und wenn alle auf dem Set plötzlich miteinander verbunden sind. Eigentlich ist es dieser Moment, der mich am Arbeiten hält.

COCKTA!L Filmemachen ist also so etwas wie ein großes Happening?

Dustin Hoffman Ehrlich gesagt, Filmemachen hat auch etwas mit dem familiären Aspekt zu tun, denn man arbeitet täglich viele Stunden lang mit wirklich guten Menschen zusammen. Da kommt dann auch schon mal so was wie Familienromantik auf! (lacht) Und beim Drehen kam ja auch die meiste Hilfe von den Make-up- und Kostümleuten, die sich mit unseren Charakteren eigentlich länger beschäftigt hatten als wir Schauspieler selbst.

COCKTA!L Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Baldini?

Dustin Hoffman Nun ja, Baldini lebt in der ständigen Sorge, seine Zeitgenossen könnten herausfinden, dass er eigentlich Düfte stiehlt, um sein eigenes Parfum herzustellen. Wenn man mich daher fragt, ob es Gemeinsamkeiten gibt, muss ich ganz klar ja sagen. Ich bin mein ganzes Leben lang ein Dieb gewesen, denn Kunst ist irgendwie auch Diebstahl. Ich wünschte also, ich hätte Baldini einmal getroffen, um ihm zu sagen: Fühl dich nicht schuldig, denn wir alle klauen doch. (lacht)

COCKTA!L Wie ist die Beziehung zwischen Baldini und seinem Schützling Grenouille?

Dustin Hoffman Die Beziehung zwischen dem Meister Baldini und dem Wunderkind Grenouille lässt sich gut mit der von Mozart und Salieri in Verbindung setzen, wie es etwa in Formans Film AMADEUS zu sehen war. Dort interagieren auf der einen Seite das Genie Mozart und auf der anderen Seite der nur sehr gute Musiker Salieri, der dem Talent Mozart ständig nachspürt. Das Verhältnis zwischen Baldini und Grenouille ist ähnlich begründet, denn Baldini weiß zwar, wie man Parfum herstellt, aber ihm fehlt das bestimmte Etwas, das nur einige wenige Menschen ganz nach oben in den Olymp befördert.

COCKTA!L Wie beurteilen Sie Ihren Filmpartner Ben Whishaw in seiner Rolle?

Dustin Hoffman Ich lernte Ben erst bei den Kostümproben kennen und bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir vorstellen, warum Tykwer ihn ausgewählt hatte. Denn Ben Whishaw hat diesen wilden, ungezähmten Habitus, den auch sein Charakter Grenouille besitzt. Diesen Habitus besitzt eben nur einer von vielleicht 100.000 Schauspielern.

COCKTA!L Wie haben Sie Regisseur Tom Tykwer kennen gelernt?

Dustin Hoffman Ich mochte Tykwers Film Lola rennt sehr und daher rief ich ihn vor einigen Jahren spontan an. Wir wurden Freunde - aber weiterhin nur am Telefon. Irgendwann hörte ich von Tom, dass er den Roman Das Parfum verfilmen will. Das Buch hatte ich erstmals vor 20 Jahren gelesen und ich wollte gerne mitmachen.

COCKTA!L Wie arbeitet es sich mit Tom Tykwer?

Dustin Hoffman Er hat etwas von einem Besessenen und weiß genau, was er tut, und er bereitet sich sehr exakt auf seine Arbeit vor. Ich glaube, drei bis vier Jahre für Vorarbeiten sind bei ihm keine Seltenheit. Gleichzeitig hat er einen großen Respekt vor den Urteilen seiner Schauspieler, was bei einem Regisseur nicht zwingend vorhanden sein muss. Viele Regisseure bekommen diesen seltsam entrückten Blick in ihren Augen, wenn man mit ihnen über eigene Vorstellungen diskutiert. Aber Tom war immer aufgeschlossen, wenn ich eine neue Idee vorbrachte. Zwischen uns herrschte bei der Arbeit eine große Einigkeit.

COCKTA!L Und wie charakterisieren Sie den deutschen Produzenten Bernd Eichinger?

Dustin Hoffman Eichinger war von Anfang bis Ende des Projekts sehr intensiv dabei. Man merkte ihm an, dass er alles daransetzte, dass der Film wirklich gut wird - was nicht nur mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Produkts gleichgesetzt werden sollte. Und diese Haltung ist sicherlich nicht selbstverständlich bei einem Filmproduzenten.

 Sterne bei 0 Bewertung(en). Bewerte den Artikel!
 
Anzeige
 
  Copyright © 1989 - 2010 bei Kulturmagazin COCKTA!L und, sofern nicht anders angegeben, bei ESDES MEDIA. Alle Rechte vorbehalten.
® TM COCKTA!L ist eine eingetragene Marke von Bernd Elmenthaler.
Impressum | AGB | Datenschutz | Jobs | COCKTA!L verlinken | Mediadaten
ESDES MEDIA | interviewmagazin.de | chexx - Stadtmagazin für Berlin
paradenfotos.de | hoolootoo - Kleinanzeigenportal
 
COMMUNITY
  Mitgliedsname
  Passwort
  Angemeldet bleiben
Passwort vergessen?
Mitgliedsname vergessen?
Registrieren
        
Neue Eventfotos
Anzeige