Die Simpsons1990 ihr Debüt hatten, sorgt die Serie für Furore durch ihren respektlosen Humor, der vor nichts halt macht. Heute ist
Die Simpsonsdie langlebigste Cartoon-Serie aller Zeiten, die je in den USA zur Primetime lief. Im Juli werden
Die Simpsonsmit ihrem ersten Spielfilm die große Leinwand erobern. Ein Anlass für ein Gespräch mit den Produzenten des Films James L. Brooks, Matt Groening und Al Jean.
COCKTA!L Warum hat es solange gedauert, einen Kinofilm zu machen? War es nur die viele Arbeit für das Fernsehen, oder lag es daran, die richtige Geschichte zu finden und sie entsprechend umzusetzen? Lag es auch an der technischen Machbarkeit?
James L. Brooks Es war einfach die Zeit
gekommen, wo wir alle einen Film machen wollten. Wir hatten schon
lange darüber nachgedacht, und es gab im dritten Jahr eine Episode,
die sich hervorragend als Grundlage für einen Film eignete. Vor
zwei Jahren haben wir dann fast alle gleichzeitig festgestellt,
dass wir diese Idee jetzt verfolgen sollten. 
COCKTA!L Wann immer eine Fernsehsendung ins Kino kommen
soll, gibt es die gleichen Fragen: Was steckt
dahinter?
, Was kann man im Film machen, das sonst
nicht geht?
. Die üblichen Probleme mit Nacktheit oder
obszöner Sprache treffen auf Die Simpsons
ja nicht
zu. Ist der Film jetzt nur eine lange Serienfolge? Gibt es etwas,
das Sie immer umsetzen wollten, aber im Fernsehen nicht machen
konnten?
James L. Brooks Am Film arbeiten die gleichen Leute wie an der Serie, es ist sozusagen ein Heimspiel. Ich kann gar nicht sagen, was es unseren Zeichner bedeutet, jetzt mal mit den Möglichkeiten der großen Leinwand zu experimentieren.
COCKTA!L Sie sprachen von einem Heimspiel. Offensichtlich haben nicht alle Autoren der Serie am Film mitgearbeitet. Wie lief das organisatorisch? Haben Sie die Teams aufgeteilt und dann gleichzeitig Serie und Film entwickelt, oder gab es eine engere Zusammenarbeit? Gab es Ärger, weil jeder am Film beteiligt sein wollte?
Al Jean Selbst für die Serie haben wir
mittlerweile soviel Personal, dass wir mit zwei Teams arbeiten.
Davon haben wir dann tatsächlich einige Autoren für den Film
abgezogen, die standen aber im Kontakt zu denjenigen, die sich
weiter mit der Serie beschäftigten. Der Film ist also wirklich das
Baby von allen, die seit 20 Jahren Die Simpsons
entstehen lassen.
Matt Groening Wir haben quasi jeden Zeichner,
der an der Serie beteiligt war, eingeladen, am Film zu arbeiten.
Und David Silverman, der schon damals einer der Regisseure bei der
Tracey Ullman Show
und bei den Simpsons
war, machte das Gleiche mit den ehemaligen Regisseuren. Wie Jim
schon sagte: Wir haben die Heimmannschaft aufgestellt. Die Autoren
sind dieselben, die für die Show verantwortlich sind.
Al Jean Ja, sozusagen ein All-Star Team.
COCKTA!L Die Simpsons
hat ja noch keine
Jugendfreigabe erhalten, auf welche stellen Sie sich ein?
James L. Brooks Am ehesten ab
12
.
Matt Groening Einer der Gründe, warum die Serie
sich schon so lange im Fernsehen hält, liegt meiner Meinung nach in
dem Ehrgeiz, den Jim schon entwickelt hatte, als wir noch nicht
mehr als die kurzen Clips zur Tracey Ullman Show
beisteuerten. Er sagte mir damals, wir sollten nur dann eine Serie
daraus machen, wenn wir ehrliche Gefühle damit transportieren
wollten. Ich sah das genauso. Die Simpsons
sind schon
ziemlich abgedreht und verrückt, mit vielen großartigen Gags
zwischendrin, aber wir wollen immer wieder zum echten Gefühl
zurückkommen. Das war auch eins der Ziele des Films. Das Kinoformat
bietet natürlich weitaus mehr Möglichkeiten, die Emotionen der
Figuren auszuleuchten als eine Fernsehserie mit 22-minütigen
Episoden.
COCKTA!L Mr. Brooks, Sie und Mr. Groening waren seit dem
Start der Simpsons
sehr beschäftigt. Hat die Arbeit
am Film Sie beide wieder etwas näher an die Serie herangebracht,
oder waren Sie nie weg davon?
James L. Brooks Es war eine große
Zusammenführung, ich hätte nicht gedacht, dass die Sache mich so
sehr beanspruchen würde. Ich arbeite im Moment quasi rund um die
Uhr im Simpson-Universum, und das war vorher anders. Ich habe zwar
regelmäßig reingeschaut, eigene Ideen eingebracht, andere
abgesegnet, aber zurzeit lebe ich Die Simpsons
pur.
COCKTA!L Gilt das auch für die Serie oder nur für den Film?
James L. Brooks Das ist ein und dasselbe, ich habe auch mehr mit der Serie zu tun im Moment.
COCKTA!L Matt, Sie haben mit Cartoons angefangen, die sie
für Zeitungen gezeichnet haben. Haben Sie noch den Wunsch, einmal
ein hochgelobtes Kunstwerk herzustellen, oder sind Die
Simpsons
Ihr Meisterwerk?
Matt Groening So lange wir Spaß damit haben,
möchte ich weiterhin Die Simpsons
machen. Mit denen
verbringe ich meine Tage, die Nächte widme ich
Futurama
, der hier in den USA 2008 mit 16 neuen
Folgen auf Comedy Central zurückkehren wird. Und ich arbeite an
einem Cartoon, der wöchentlich in der LA Weekly und einigen
alternativen Nachrichtenmagazinen im ganzen Land erscheint. Da bin
ich ganz für mich, allein am Zeichenbrett. Ich schiebe das immer
solange wie möglich hinaus, es ist Freitag um 17.30 fällig, ich
fange Freitag nachmittag mit der Arbeit an. Ich muss das alles
hinbekommen, irgendwelche Krankheiten oder so etwas kann ich mir
nicht leisten. So geht das jetzt seit 27 Jahren.
COCKTA!L Aber für Sie als Künstler, streben Sie noch Ihre eigene Mona Lisa an, ein perfektes Kunstwerk?
Matt Groening Ja.
COCKTA!L Oder haben Sie es schon geschaffen?
Matt Groening Ich liebe die Popkultur, und ich
liebe es, beim Fernsehen zu arbeiten. Was ich am Anfang bei der
Tracey Ullman Show
noch nicht begriffen hatte, ist,
wie viele Menschen man über das Fox Network erreicht. Fox war
gerade in der Entstehung, genau wie unsere 15-sekündigen
Comicstrips. Das Medium ist heute allgegenwärtig. Jetzt läuft die
Serie schon so lange, eine der ersten Fragen war, Warum jetzt
der Film? Warum hat es so lange gedauert?
. Einer der Gründe
für mich war, dass wir jetzt seit 20 Jahren on air sind und uns der
400. Episode nähern - wenn wir es irgendwann noch einmal
hinbekommen wollen, dann jetzt. Ich wollte nicht nach der Absetzung
der Serie einen Film hinterher schieben, sondern den Film machen,
solange die Fans noch wirklich danach verlangen. Wenn wir
Ausschnitte aus der Serie bei der San Diego Comic Convention oder
an irgendeinem College vorführen, dann bin ich immer noch
hingerissen von dem Moment - und ich glaube, euch geht das genauso,
ihr kennt das alle -, in dem die Leute gleichzeitig anfangen zu
lachen. Für mich persönlich gehört das dazu. Ist das jetzt große
Kunst? Ich weiß es nicht, aber es macht Spaß.
COCKTA!L Haben Sie einen groben Überblick, wie viele Einwohner von Springfield regelmäßige oder wiederkehrende Charaktere in der Serie sind?
Al Jean Pro Folge treten selten mehr als 50 auf und Dan macht davon ungefähr 49. Die Sprecher sind unglaublich, das möchte in an dieser Stelle mal sagen. Bei den Proben haut es einen einfach um. Wenn ein Witz nicht zündet, liegt es am Script, nicht an den Sprechern.





















