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Interview
Cosmic Gate: Wir machen einfach nur unser Ding
Von Oliver Franke | 04. November 2006    Drucken eMail
Die Produzenten Claus Terhoeven (Nic Chagall) und Stefan Bossems (Bossi) kreierten Hits, die weltweit die Tanzflächen beben ließen. Als Cosmic Gate sind sie eines der bekanntesten und erfolgreichsten DJ-Duos der Welt. Mit insgesamt sieben Top 40 Chart-Singles und zwei erfolgreichen Chart-Alben - Rhythm & Drums und No More Sleep mischte das DJ-Duo in Deutschland die offiziellen Media Control Verkaufscharts kräftig auf.

COCKTA!L Eure neue Single Should've Known ist bereits in England und Holland, allerdings erst jetzt in Deutschland erschienen. Normalerweise veröffentlicht man die Songs doch erst im Heimatland?!

Cosmic Gate Das hat einen ganz einfachen Grund: Unsere letzte Single und unser letztes DJ Mix Album sind bereits auf dem erfolgreichen Trance-Label Black Hole Recordings in Holland erschienen und die Jungs waren von Anfang an auch brennend an einem neuen Album interessiert. Somit ging der Weg der Veröffentlichung dieses Mal über Holland nach Deutschland.

COCKTA!L Die Vocals für den Track hat die Engländerin Tiff Lacey, die bereits mit Paul Oakenfold und ATB zusammen gearbeitet hat, beigesteuert. Wie ist denn diese Kooperation entstanden?

Cosmic Gate Wir fanden Ihre Stimme schon immer sehr interessant und wollten unbedingt für das neue Album einen Track mit ihr produzieren. Zum Glück hatte Sie auch Lust, mit uns zu arbeiten und die Zusammenarbeit war dann einfach klasse und sehr unkompliziert!

COCKTA!L Should've Know ist ja der Vorbote für Euer neues Album Earth Mover, das Ende Oktober erscheint. Was können wir darauf alles erwarten?

Cosmic Gate Auf unserem neuen Album wollten wir einen Schritt weiter gehen als bisher und neben Club tauglichen, instrumentalen Tracks auch unbedingt Song orientiert arbeiten. Entstanden sind 13 Tracks, die eine weite musikalische Bandbreite zeigen. Neben den letzten Singles I Feel Wonderful, Ultra Curve und Bilingual findet man eine Menge Kooperationen mit Sängern und Sängerinnen, wie z. B. Tiff Lacey, Roxanne Emery und natürlich wieder mit Jan Johnston, die auch hier wieder einen Song mit ihrer Stimme veredelt hat. Das ganze Album ist beeinflusst von Styles wie Progressive, Electro, Trance und TechTrance und zeigt, wie wunderbar man die verschieden Richtungen verschmelzen lassen kann. Neben den Kooperationen mit Sängern und Song-Writern haben wir uns auch wieder mit befreundeten Produzenten ins Studio gesetzt, und mit dem deutschen DJ und Produzenten Wippenberg einen Track fürs Album produziert.

COCKTA!L Ihr habt über ein Jahr an Earth Mover gearbeitet. Warum so lange?

Cosmic Gate Ein Jahr hört sich natürlich sehr lang an, aber es ist ja auch bei weitem nicht so, als das wir in dieser Zeit nur an Earth Mover gearbeitet hätten. Es gibt immer noch einige andere Projekte, die wir machen, dann haben wir auch eine ganze Menge getourt und außerdem sind Tracks, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstehen, immer um einiges zeitintensiver, als würden wir alleine im Studio sitzen. Gut Ding braucht einfach Weile und dies hat auch den Vorteil, dass man nach ein paar Wochen oder auch Monaten wieder etwas mehr Abstand zu Produktionen hat und diese verbessern kann.

COCKTA!L Sowohl bei thedjlist.com als auch bei DJ Mag Top 100, die die Trendindikatoren für die internationale DJ-Szene sind, seid ihr permanent vertreten. Wie wirkt sich das auf die Bookingsituation bei Euch aus, wenn ihr gute Positionen habt?

Cosmic Gate Das verrückte an diesen Listen ist, das niemand aus der Szene / Branche sie wirklich als repräsentativ bewertet, aber doch immer noch sehr viele Veranstalter diese Platzierungen bei Bookings für wichtig erachten. Es ist auch zum Teil unheimlich nervig, wenn man von einigen DJs innerhalb von vier Wochen mehrfach per eMail aufgefordert wird, in der DJ Mag Liste zu voten. Und aus diesem Grund haben wir in diesem Jahr von unserer Seite aus ganz auf jegliche großen Aktivitäten in dieser Richtung verzichtet.

COCKTA!L Ihr hattet bereits sieben Singles in den Top 40 der Charts. Mit was für einer Erwartung geht man da bei einer neuen Singleveröffentlichung ran?

Cosmic Gate Wir haben da - ganz ehrlich gesagt - eigentlich gar keine großen Erwartungen hinsichtlich der Media Control Charts. Die Zeiten haben sich stark verändert, Musik wird auf vielen neuen Wegen konsumiert, aber das System der Charterhebung hat sich dem noch immer nicht richtig angepasst. So werden z. B. die immer mehr werdenden Downloadverkäufe noch immer nicht zu 100% gewertet. D. h., mit einer so progressiven Trance-Produktion die Charts zu entern ist leider nicht so einfach. Außerdem haben viele Medien Dance in den letzten Jahren zum Nischenprodukt erklärt und bieten für unseren Sound keine großen Plattformen mehr. Aber viel wichtiger ist uns, das wir nach wie vor unsere Musik und das DJen lieben und wir möglichst viele Menschen damit erreichen können. Ob sie dann in die Charts geht, ist erstmal sekundär, vor allem wenn wir doch jedes Wochenende live erleben dürfen, dass es Menschen gibt, die wir mit unserer Musik glücklich machen.

COCKTA!L Ihr seid im Ausland erfolgreicher als in Deutschland. Warum?

Cosmic Gate Naja, das sieht man ja alleine schon daran, wo unsere Produktionen zuerst veröffentlicht werden. Es gibt in Deutschland leider nur noch sehr wenige Labels, die Trance Musik veröffentlichen. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass wir in Deutschland vor ein paar Jahren den absoluten Overkill in der Dance Szene hatten. Die Qualität der Musik wurde einfach immer schlechter. Diese Blase ist dann binnen kürzester Zeit geplatzt und der Markt braucht nun seine Zeit um sich zu regenerieren. Unsere Produktionen waren aber schon immer international ausgerichtet. Unserer Meinung nach liegt es nun an der Szene und den Plattenfirmen, wie auch an uns, gute Produkte auf den Markt zu bringen und Trance von seinem schlechten Image in Deutschland zu befreien. Man sieht ja gerade im Ausland, dass Trance nach wie vor viele Menschen anspricht und es dort eine große Fangemeinde gibt.

COCKTA!L Hat sich die Herangehensweise für die Produktionen in den letzten Jahren geändert? Aufgrund der Flaute im Dance-Markt in Deutschland sind ja viele Künstler noch stärker auf den internationalen Markt ausgewichen.

Cosmic Gate Wir haben uns eigentlich noch nie große Gedanken gemacht für welchen Markt wir gerade produzieren, sondern machen einfach nur unser Ding. Ob das, was wir gerade machen, nun in Asien oder in den USA oder vielleicht auch in Europa ankommt, kann man sowieso nicht wissen und man würde sich unseres Erachtens nach auch verrennen, nur irgendwelchen Trends blind zu folgen.

COCKTA!L Community-Portale mit dem Fokus auf Musik, wie zum Beispiel MySpace.com, bugsieren Künstler inzwischen auch in die Charts. Wie seht ihr die Entwicklung und nutzt ihr das auch für Euch?

Cosmic Gate Wir haben natürlich auch unsere eigene MySpace Seite und denken, das gehört heutzutage einfach auch dazu. Man macht wirklich viele gute Kontakte darüber, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, einige Leute leisten sich einen Wettkampf, wer mehr friends hat …

COCKTA!L Dieses Jahr gab es wieder eine Love Parade in Deutschland. Glaubt ihr an eine langfristige Zukunft der Parade und einer damit verbundenen Renaissance von Dance-Musik in Deutschland?

Cosmic Gate Wir waren leider in diesem Jahr nicht dabei, da wir langfristig anderweitig gebucht waren. Wir finden es jedoch sehr positiv, dass die Parade wieder stattfindet und fanden ehrlich gesagt die ganzen Diskussionen in den letzten Jahren bei dem großen internationalen Imagegewinn für die Stadt Berlin einfach nur peinlich. Die Love Parade kann auch ein wichtiger Faktor sein, Dance Musik wieder in die Medien zu bekommen. Auch haben wir den Eindruck, dass die Stimmung in der Szene wieder besser wird und in ein paar Jahren die Kids auch mal wieder ordentliche Dance- und nicht nur diese ganzen Hip Hop Produktionen im Radio hören können.

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