COCKTA!L Lassen Sie uns zuerst über die alten Edgar Wallace-Filme sprechen. Da interessierte mich immer schon eine Frage: Wie ernst nahmen die sich, wie viel Ironie steckte in ihnen?
Joachim Fuchsberger Die nahmen sich überhaupt
nicht ernst. Eines ihrer Erfolgsgeheimnisse war, dass die Menschen
selbst in den gruseligsten Szenen begriffen: Das hier ist Fiktion,
nicht Realität. Anders als beispielsweise Jürgen Rolands
Stahlnetz
gaben sie nicht vor, die Wirklichkeit zu
zeigen. Sie hatten immer ein Augenzwinkern und waren manchmal bis
ins Groteske übersteigert. Das Publikum sollte sich im Kino ein
bisschen gruseln. Aber hinterher zu Hause gut schlafen können.
COCKTA!L Vor Klaus Kinski habe ich mich damals aber doch schon ein bisschen gefürchtet...
Joachim Fuchsberger... trotzdem wusste jeder,
dass das überzeichnet war. Der Klaus natürlich auch, deshalb hat er
immer seinem Affen Zucker gegeben. Der hat immer gesagt: Na -
wenn schon, dann auch richtig.
COCKTA!L Natürlich spielte damals die erste Liga der deutschen Schauspieler mit. Aber was darüber hinaus machte den Erfolg aus?
Joachim Fuchsberger Die totale Hinwendung zur
Qualität! Alles was Rang und Namen hatte, wollte mitmachen. Das
liegt daran, dass die Wallace-Reihe so etwas wie die andere Seite
des deutschen Kinos war, das ansonsten ja immer läppischer wurde.
Es war auch mein Beweggrund. Für mich war es die Rettung aus dieser
faden, langweiligen Zeit des jungen Liebhabers
. Genau
im richtigen Moment kam etwas Neues. Und dazu auch noch aus der
Rubrik das können wir nicht
, die mich immer gereizt
hat.
COCKTA!L Das können wir nicht
bezieht sich
auf die landläufige Meinung, die Deutschen könnten keine
Kriminalfilme machen...
Joachim Fuchsberger Genau. Wobei man historisch
korrekt sagen muss: Der Frosch mit der Maske
war im
Grunde genommen ja auch noch eine dänische Produktion. Heute denken
alle, Horst Wendlandt habe die Wallace-Reihe erfunden. Das stimmt
so nicht, auch wenn er natürlich für den späteren Erfolg
verantwortlich war. Aber der erste Produzent war Preben Philipsen,
ein Multimillionär und damals Besitzer von Rialto Film. Gedreht
haben wir auch noch in Dänemark - und in Deutschland hieß es: Die
werden bestimmt auf die Schnauze fallen. Dann war der erste ein
großer Erfolg und alle meinten: Dann wird eben der zweite ein Flop.
Und so ging es immer weiter bis zur Nummer 30.
COCKTA!L Sie nannten gerade schon Preben Phillipsen. Wer sonst waren die wichtigsten Köpfe hinter der Kamera bei der Wallace-Reihe?
Joachim Fuchsberger Zuallererst muss man natürlich einen genialen Menschen namens Edgar Wallace nennen, der in den 30er Jahren Bücher geschrieben hat, die Welterfolge wurden. Bei den Filmen war es zuerst die Handschrift von Harald Reinl. Später Alfred Vohrer, der ein genialer Regisseur für dieses Genre war. Und der wohl genialste überhaupt war der Drehbuchautor Herbert Reinecker. Das war das große Dreigestirn der Reihe: Horst Wendlandt als Produzent, Reinecker als Autor und Vohrer als Regisseur. Wir hatten also hervorragende Bücher, die hervorragend besetzt und von hervorragenden Regisseuren inszeniert wurden. Und für uns junge Schauspieler war es vor 40 Jahren eine Offenbarung, mit den Großen des deutschen Films zusammenzuarbeiten. Wir haben nur geschaut, wie ein René Deltgen oder eine Lil Dagover im Studio gearbeitet haben und haben von ihnen gelernt.
COCKTA!L Welchen Stellenwert haben diese alten Filme heute noch?
Joachim Fuchsberger Da können wir einen Bogen
ziehen vom Hexer
zum Wixxer": Die Faszination
bestätigt sich eigentlich so richtig erst heute, nach 40 Jahren.
Ganz junge Menschen, die durch die geballten Wiederholungen im
Fernsehen überhaupt erst auf das aufmerksam werden, was wir damals
gemacht haben, kommen heute auf der Straße auf mich zu. Sprechen
mich an und fragen: Warum machst Du denn so was nicht mehr, das war
doch fantastisch? Die vergessen völlig, dass seitdem vier
Jahrzehnte vergangen sind.
COCKTA!L Was antworten Sie ihnen?
Joachim Fuchsberger Natürlich Ihr seht
doch selbst, dass ich heute nicht mehr 35 sondern 80 bin und nicht
mehr über Tische und Bänke springen kann. Damals habe ich alle
meine Stunts selbst gemacht.
Die realisieren gar nicht, wie
lange das alles her ist. Das ist eigentlich das schönste
Kompliment, das man uns heute machen kann. Und letztendlich war das
der entscheidende Grund für mich, meine Voreingenommenheit gegen
das Projekt Wixxer
aufzugeben.
COCKTA!L Beim ersten Wixxer
waren Sie dazu
noch nicht bereit. Was hat Sie bewogen, Ihre Meinung zu ändern?
Joachim Fuchsberger Damals hatten die ja keine
richtige Aufgabe für mich, sondern nur so einen Cameo-Auftritt
geplant. Das habe ich abgelehnt, wie ich es bestimmt auch schon
zehnmal vorher getan hatte. Weil ich zu gute Erinnerungen an unsere
damalige Arbeit hatte. Ich habe mir den Wixxer
dann
auch nicht angeschaut, bis mir Olli Kalkofe und Christian Becker
eine DVD nach Australien geschickt haben. Die musste ich mir erst
mal auf den dortigen Videostandard umarbeiten lassen. Aber dann
haben meine Frau und ich sie uns angesehen und wir waren
fasziniert, wie dieser Film die Atmosphäre von vor 40 Jahren voll
und ganz getroffen hat. Ich habe dann dem Olli sofort eine Mail
geschrieben und mich für meine Voreingenommenheit entschuldigt und
dafür, dass ich solange über den Wixxer
gemeckert
hatte, ohne ihn gesehen zu haben.
COCKTA!L Also ist Ihr Auftritt jetzt auch ein kleiner Bußgang?
Joachim Fuchsberger Naja... - er hat mich dann
natürlich sofort in die Zange genommen und gesagt: Wir machen eine
Fortsetzung. Und ich habe ihm geantwortet: Wenn Ihr wieder keine
richtige Aufgabe für mich habt, sage ich auch diesmal
nein
! Aber dann kamen er, Bastian Pastewka und Oliver
Welke mit einem Buch, in dem es eine wirklich akzeptable Rolle für
mich gab. So kam alles zustande. Und nachdem ich den Film jetzt
sehen durfte kann ich nur sagen: Ich bereue keine Minute!
COCKTA!L Kein Kritikpunkt aus der Sicht des alten Hasen?
Joachim Fuchsberger Nein! Der ist genau mit der Sorgfalt und Liebe gemacht, wie wir vor vier Jahrzehnten Filme gemacht haben. Wenn überhaupt, leidet er nur ein bisschen unter dem Fluch des Namens.
COCKTA!L Der Fluch des Namens?
Joachim Fuchsberger Naja - nach dem
Hexer
kam Neues vom Hexer
. Folgerichtig
musste nach dem Wixxer
jetzt eben Neues vom
Wixxer
kommen. Bei der Arbeit haben wir uns daran gewöhnt
und darüber gelacht. Aber wenn jetzt Menschen auf dich zukommen und
fragen Du hast doch demnächst eine große Premiere - wie heißt
denn der Film?
zuckst du schon kurz zusammen, wenn du den
Titel nennst. Das habe ich dem Produzenten Christian Becker aber
auch immer gesagt. Natürlich hat der Titel nicht mehr den Hautgout,
wie er ihn beim ersten Film hatte. Weil man mittlerweile dessen
Qualität erkannt hat.
COCKTA!L Kalkofe erzählte davon, wie Sie an Ihrem ersten Drehtag durch die Kulissen gingen und zahlreiche Details wieder erkannten, von denen selbst er nicht wusste, wie genau sie den alten Filmen entsprachen. Was war das für ein Gefühl für Sie?
Joachim Fuchsberger Ich war fast betroffen. Man erwartet so etwas nicht - und heute schon gar nicht mehr. Mein erster Tag in Prag war wie das Zurückfallen in eine andere Welt. Und zwar in eine bessere. Es war beeindruckend zu sehen, dass dies alles von ganz jungen Leuten gemacht war, die zum Teil noch zehn Jahre jünger sind als mein Sohn. Dazu kam dann bei der Arbeit eine Atmosphäre, wie ich sie in 50 Jahren im Beruf und 85 Spielfilmen wirklich nur ganz selten erlebt habe. Ganz abgesehen von der persönlichen Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft - in meinem Alter ist man eben nicht mehr ganz so gut auf den Beinen - die mir entgegengebracht wurde. Das spiegelt sich natürlich im Film wider: Du merkst jemandem einfach an, ob er sich bei der Arbeit wohl gefühlt hat.
COCKTA!L Kann man die Arbeitsbedingungen von heute in irgendeiner Weise mit denen der alten Wallace-Filme vergleichen?
Joachim Fuchsberger Das ist schwer zu sagen.
Nein... - eigentlich kann man es nicht. Aber in diesem einen Fall
eben doch. Wobei ich ganz besonderen Wert darauf lege, zu sagen: Es
war bei Neues vom Wixxer
in Prag WIEDER so gut wie
damals. Und das ist ein sehr hohes Lob!
COCKTA!L Letzte Frage: Kalkofe spricht ja schon seit dem
ersten Wixxer
gern von Teil 3. Sind Sie dabei, wenn
es wieder eine passende Rolle gibt?
Joachim Fuchsberger Na logisch! Wenn es eine gescheite Rolle gibt, bin ich immer dabei.





















