Neues vom Wixxerbekamen wir die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Ausnahmecomedian.
COCKTA!L Viele der alten Wallace-Helden haben Sie im Kino und TV selbst gar nicht mehr erlebt. Wie haben Sie sich ihnen angenähert?
Bastian Pastewka Ich bin erst auf die
Wallace-Filme gestoßen, als wir 2001 mit dem Drehbuch zum ersten
Wixxer
begonnen haben. Kalkofe und Welke sind ja -
das möchte ich hier noch mal in aller Deutlichkeit festhalten -
sehr viel älter als ich. Die beiden kannten die Filme schon aus
ihrer Kindheit. Ich musste da einiges nachholen. Zuerst habe ich
mir nur zwei, drei angeschaut. Aber irgendwann entwickelten die
Filme auf mich eine solche Sogwirkung, dass ich am Ende alle
gesehen habe. Ich habe dann richtig Buch geführt. Was ist besonders
an den Kommissaren, den einzelnen Schurken, was wiederholt sich in
den Filmen, usw... Daraus ist eine kleine Recherchebibel
entstanden, die wir sowohl beim ersten als auch beim zweiten Teil
immer wieder zu Rate gezogen haben.
COCKTA!L Meinen Sie wirklich, die Filme hatten damals schon eine bewusst ironische Ebene?
Bastian Pastewka Sowohl Blacky Fuchsberger als
auch Wolfgang Völz, die in der Originalserie dabei waren, erzählten
uns, dass sie damals diese Filme sehr ernst genommen haben. Und
damit auch den Humor der Filme. Nehmen Sie Eddi Arent: Bei dem
sieht man genau, wie akribisch der sich auf seine kleinen Bonmots
vorbereitet hat. Er durfte ja alle halbe Stunde so einen kleinen
Comedy-Glanzauftritt hinlegen. Man hat eben damals entschieden: Wir
machen es richtig spannend. Hin und wieder aber auch richtig
lustig. Da wäre heute bei vielen Filmmachern die Schere im Kopf
aufgegangen und sie würden sagen: Wir müssen uns vorher festlegen,
ob wir Krimi oder Komödie machen. Bei den guten Wallace-Filmen
waren diese Grenzen damals kurzzeitig aufgehoben. Doch früher wurde
vieles spontaner und unschuldiger produziert: Für Neues vom
Wixxer
brauchten wir 2 Jahre Vorbereitung, drei Monate
Drehzeit und noch mal ein knappes Jahr für die abschließende
Postproduktion. Die Wallace-Kurbler haben ihren Film im Januar
geschrieben, im Mai gedreht und im August ins Kino gebracht. In den
Glanz-Jahren der Wallace-Filme `62 bis `65 war alle vier bis fünf
Monate ein neuer Streifen im Kino. Die haben unglaublich geschuftet
und nur deshalb konnte es eine solche Wallace-Welle geben.
COCKTA!L Sprechen wir über Ihre Rolle: Wie hat sich Very Long seit dem ersten Teil entwickelt, was erfahren die Zuschauer Neues über ihn?
Bastian Pastewka Very und Even sind schon im
ersten Teil als ungewöhnliches Ermittlerpaar aufgefallen: Chief
Even Longer ist der knurrige, anstrengende und sauertöpfische
Alt-Inspector, der sich grämt, dass sein ehemaliger Partner Rather
Short auf die dunkle Seite der Londoner Unterwelt gewechselt,
sprich: zum Wixxer geworden ist und Even in tödliche Gefahr
gebracht hat. Evens neuer Partner wurde zu Beginn des ersten Teils
Inspector Very Long: Ein Neuling, der zwar als Bester die
Polizeischule verlassen hat, aber den Chief-Inspector mit seiner
übertriebenen Freundlichkeit und Harmoniesucht gewaltig nervt. Die
zwei mussten sich aneinander gewöhnen. Very ist ein guter Polizist,
immer höflich, erschreckend gut gelaunt und er weiß bereits nur zu
gut, dass seinem launischen Chief mitunter das Fingerspitzengefühl
fehlt. Und genau in dem Punkt steht er ihm jetzt zur Seite: Er
zeigt Even, dass man auch mal mit einem Lächeln eine Situation
entkrampfen kann, dass ein angenehmes Äußeres kein Zeichen von
Schwäche ist. Very ist eben ein Perfektionist, der auf Etikette
achtet und sich einen genauso perfekten Chief Inspector an seiner
Seite wünscht. Even aber ist ein Einzelkämpfer, ein Mann der Tat,
nicht des Wortes, und daher knallt es hin und wieder zwischen Very
und Even. Doch Very hat diesmal noch ein anderes Problem: Der neue
Wixxer hat ihn auf seine Todesliste gesetzt. Schon am nächsten
Morgen soll Very nicht mehr leben. Das ist für den routinierten
Inspector natürlich ein Schock. Doch er muss sich selbst helfen,
denn Even kann ihn nicht rund um die Uhr beschützen, weil auch die
Frau, die er liebt, die junge adelige Victoria Dickham, auf der
Todesliste steht. Very muss diesmal um sein Leben, aber auch um den
Respekt seines Chefs kämpfen - und speziell letzteres fällt ihm
natürlich extrem schwer... 
COCKTA!L Aber er punktet ja mächtig damit, dass er seinem verliebten Chef einen Crashkurs in guten Manieren und Lifestyle gibt...
Bastian Pastewka Er tut wie von Sinnen alles, um sich bei seinem Chief-Inspector Even Longer gut zu stellen. Damit dieser ihn endlich beachtet und ihm hilft. Und deshalb erklärt er ihm den Sinn von Höflichkeit, Rückenenthaarung sowie der Kreisbewegung beim Zähneputzen. Es ist natürlich - wie in jeder guten Komödie - aber auch wie in jedem guten Edgar Wallace Film - eine ausweg- und hoffnungslose Situation. Aber: Dass die beiden sich in Lebensgefahr Stylingtipps geben, ist einer der witzigsten Momente in unserem Film geworden.
COCKTA!L Woher hat Very diese Sicherheit in Stilfragen?
Bastian Pastewka Ich glaube, er ist insgeheim zumindest ein Halbadliger. Und wahrscheinlich hat er neben der Polizeischule auch noch eine Hauswirtschaftsschule besucht. Auf jeden Fall ist er der Meinung, dass der moderne Inspector von heute ein gepflegtes Äußeres haben und Gentleman sein sollte. Damit ist er natürlich die denkbar falscheste Person für den Polizeidienst - aber das weiß er ja zum Glück nicht.
COCKTA!L Kommen wir zur Arbeit am Drehbuch. Eigentlich
heißt es ja Viele Köche verderben den Brei
. Drei
Autoren sind reichlich viele Köche - wieso schmeckt dieser Brei
trotzdem?
Bastian Pastewka Das Gute ist: Wir sind immer
einer zuviel - aber das ist jeweils ein anderer von uns dreien. Wir
sind sehr oft unterschiedlicher Auffassung, aber wir sind immer in
der Lage, einen Konsens herzustellen. Ich glaube, wir sind relativ
geschmackssicher und in der Lage, die Qualität unserer Texte und
Ideen gleich einzuschätzen. Wir können uns beim Schreiben nicht
immer gegenseitig glücklich machen, aber wir wissen auch, dass es
am Ende keine Bauchschmerzen-Stellen
mehr im Drehbuch
gibt, das wir vorlegen. Olli und Olli sind so unglaublich
fantasievoll beim Erschaffen von Szenen und Dialogen, dass immer
genug Ideen im Raum sind, die wir durchdenken können. Ich versuche
die Abläufe und Beschreibungen nicht aus den Augen zu verlieren,
bin also ähnlich wie der dritte Detektiv der Drei
Fragezeichen
verantwortlich für Recherche und Archiv. Und
ich muss zu allem immer wertvolle Skizzen zeichnen und die
auftauchenden Figuren in einem farbigen Diagramm zusammenfassen.
Und das ist exakt der Teil der Arbeit, der uns überhaupt nicht
weiterhilft.
COCKTA!L Gibt es bei Kalkofe, Welke und Pastewka ein ganz ähnliches Humorverständnis? Oder wo liegen die Unterschiede?
Bastian Pastewka Unser Humorverständnis ist
sehr groß, weil wir viel Komisches aus Film und Fernsehen kennen.
Das Schwerste ist für uns eigentlich, sich von bekannten Vorbildern
zu lösen. Denn wir wissen, dass wir uns selber verpflichtet sind,
einen Film zu machen, der eben nur zu uns passen darf. Deshalb
laufen wir manchmal Gefahr, die Szenen größer, opulenter und noch
verrückter machen zu wollen, als die Wixxer-Welt erfordert. Wallace
ist nicht Hollywood, Long und Longer können nicht wie bei
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innerhalb von fünf Minuten einen Helikopter
herbeirufen wie Jack Bauer mit seinem blöden piepsenden Handy,
während im Gefängnis eine Meuterei stattfindet und ein Killervirus
ein Krankenhaus lahm legt. So etwas gibt es in der kleinen
Wallace-Welt noch nicht! Dort gibt es Anrufer, die ihre Stimmen
verstellen und einen unter die Tür geklemmten Stuhl, der den Gegner
5 Minuten aufhält. Wir haben diesen Unterschied übrigens gleich zu
Beginn von Neues vom Wixxer
deutlich klargemacht. Und
wenn Kalkofe, Welke oder ich aus Versehen wieder zu Jack Bauer
mutieren, sind wir glücklicherweise immer in der Lage, die eine
oder andere Riesenidee von gestern heute ganz einfach zu
verwerfen.
COCKTA!L Wie entgeht man als Autor der Versuchung, die eigene Rolle immer ein bisschen schöner, größer und glamouröser zu gestalten?
Bastian Pastewka Durch die Betrachtung von
außen. Neues vom Wixxer
ist wieder ein Ensemble-Film.
Also brauchen unsere 10 Hauptfiguren genug Spielraum. Dennoch haben
wir die Rollen von Long und Longer klarer gezeichnet als im ersten
Teil. Wir haben gemerkt, dass die Zuschauer den Inspectoren folgen,
weil die nun mal den Fall zusammenhalten. Daher haben wir Even und
Very mehr gemeinsam erleben lassen.
COCKTA!L Was sonst haben Sie aus dem ersten
Wixxer
gelernt?
Bastian Pastewka Mit der Humorfarbe sind wir beim ersten Film genauso zufrieden wie beim zweiten. Wir haben uns diesmal einen übersichtlicheren Krimiplot geschaffen. Der Wixxer droht eine Reihe von Morden an. Und wir müssen ganz schnell klären, wer diese Personen sind und wie wir sie schützen können. Die Dramatik dieser Situation hat uns geholfen, die Balance zwischen Suspense und Comedy zu halten.





















