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Interview
Rick Kavanian: Den Feldmarschall hätte ich gern gespielt
Von Constantin | 04. Oktober 2007    Drucken eMail
Bekannt wurde der Schauspieler und Comedian Richard Horatio Rick Kavanian vor allem durch die Bullyparade, in der er zusammen mit Michael Herbig und Christian Tramitz auftrat. Aber auch als Synchronsprecher ist er aktiv. Zuletzt in Lissi und der wilde Kaiser als die Stimme vom Feldmarschall und König Bussi von Bayern.

COCKTA!L Was verbindest Du mit den alten Sissi-Filmen, welche Erinnerungen an Fernsehabende hängen daran?

Rick Kavanian Da saßen Mutter, Großmutter und ich gemeinsam vor dem Fernseher und aßen getoastetes Brot mit Butter und fett Leberwurst. Dazu gab es Milch mit Kakao... . Schon damals als Kind mochte ich den Feldmarschall ganz besonders. Als wir in der Bullyparade mit den Sketchen begannen, habe ich mir dann noch einmal Josef Mainrad als Vorbild angesehen. Der war schon toll! Ich hätte den Feldmarschall auch furchtbar gern in echt gespielt, aber der Regisseur wollte es nicht.

COCKTA!L Sind die alten Filme rührender Kitsch, oder auch ein bisschen Filmkunst?

Rick Kavanian Rührender Trash! Filmkunst ist etwas anderes. Man hat es halt damals auf Film gedreht, weil gerade nichts anderes da war.

COCKTA!L Die alten Filme verklären das Leben der Kaiserin, sie bekommt den Glamour der jungen Romy Schneider. Ist Bullys Film näher an der Wahrheit, oder schafft er neue Mythen?

Rick Kavanian Das ist eine hochkomplexe Frage. Er schafft neue Mythen, soviel ist sicher. Das ist ja auch der Anspruch des Filmemachers. Im Unterschied zu den Filmen, die damals glaubten, Filmkunst zu sein. Da wir eben diese Metaebene des CGI haben, des Computer Generated Images, sind wir gewissermaßen im Vorteil: Wir können Mythen viel leichter bedienen und neue schaffen, mit denen das Original im direkten Vergleich überhaupt nicht standhalten kann. Im Grunde kann man deshalb sagen: Das Original ist durch die Schaffung dieses neuen Kunstwerkes obsolet! (lacht) Ich wette, Du denkst gerade: Den Scheiß schreibe ich am Ende sowieso nicht ins Interview... .

COCKTA!L Garantiert nicht! Aber noch einmal zum Kern der letzten Frage: Hat Lissi auch ein aufklärerisches Element?

Rick Kavanian Letztendlich schon. Dadurch, dass Bully ein hochmodernes Medium für diesen Film gewählt hat, erreicht er auch ein jüngeres Publikum. Bei dem schafft er dann schon Ansätze eines Geschichtsbewusstseins. Eine Ahnung davon, dass da vor 200 Jahren schon etwas war. Und wenn das passiert, ist das doch ein fantastischer Kollateralschaden eines Kinoabends.

COCKTA!L Ganz ehrlich bitte: Was hast Du gedacht, als Bully Dir von seiner Idee erzählte, Lissi als Animationsfilm zu machen?

Rick Kavanian Ganz ehrlich? Schade! Ich war enttäuscht! Weil ich unbedingt noch mal den Feldmarschall in einem Kinofilm spielen wollte. Mir hat das schon in der Bullyparade sehr viel Spaß gemacht, obwohl ich da mit schöner Regelmäßigkeit erschossen wurde oder mit verbranntem Gesicht durch die Gegend laufen musste. Nein, ich war ein bisschen traurig und musste die Enttäuschung verdauen. Im Grunde bin ich auch heute, nach drei Jahren, noch mit Verdauen beschäftigt. Spaß gemacht hat die Arbeit natürlich trotzdem. Schon deshalb, weil ich mal nicht ein fertiges Produkt synchronisieren musste, sondern wir die Sprachaufnahmen vorher gemacht haben. Nur leider eben nicht im Kostüm oder im Schloss... Aber natürlich verstehe ich Bully auch. Er sucht eben neue Herausforderungen, neue Ufer als Filmemacher. Außerdem: Als Regisseur am Set die ganze Zeit mit dieser Korsage und der Perücke herum zu laufen wäre schwer geworden. Er hatte es ja beim (T)Raumschiff schon nicht leicht, mit diesen Spucki-Ohren am Set entdeckt oder gar ernst genommen zu werden.

COCKTA!L In einem Realfilm hättest Du als Feldmarschall einige sehr leidenschaftliche Liebesszenen mit einer sehr leidenschaftlichen Frau gehabt... .

Rick Kavanian (salutiert und wechselt in den Hofmarschall-Ton) UND ICH WÄRE BEREIT DAFÜR GEWESEN!

COCKTA!L Auch wenn Du Dein Faible für die Rolle des Feldmarschalls schon klar zum Ausdruck gebracht hast: Du sprichst in Lissi und der wilde Kaiser gleich vier verschiedene Charaktere. Sind Dir Feldmarschall, König Bussi von Bayern, der Schwaiger und der französische Gartenkünstler allesamt gleich lieb? Oder gibt es einen heimlichen Favoriten?

Rick Kavanian Ich hab sie eigentlich alle gern, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Es war wahnsinnig schön, den Schwaiger wieder mal zu sprechen. Denn das war der erste Charakter, den ich 1990 gemeinsam mit Bully fürs Radio gesprochen habe. Den nach 17 Jahren noch einmal zum Leben zu erwecken und zu sehen, dass er es doch noch bis ins Kino geschafft hat, war ein großer Spaß. Das war der nostalgische Aspekt bei dieser Arbeit. (fällt in den König Bussi-Ton) Aber wunderbar war auch der König Bussi. Weil es erdet, ihn zu sprechen. Und weil ich an ihm einfach dieses Ihr könnt mich alle mal kreuzweise-Lebensgefühl mag. Das ist so ganz anders, als beim Feldmarschall. Der ist ja eher der Typus Bluthochdruck-Patient.

COCKTA!L Du wechselst auch in Deinem Bühnenprogramm ständig von einem Charakter zum nächsten. Wie schafft man das? Wie verhindert man, dass man dabei sprachliche und sonstige Eigenheiten der Figuren durcheinander wirft?

Rick Kavanian Du hast mich bei einer früheren Frage um Ehrlichkeit gebeten, deshalb bin ich es jetzt. Ich gestehe: Ich gerate durcheinander. Es passiert einfach. Gerade auch auf der Bühne, wo man es dann nicht mehr korrigieren kann. Da frage ich dann schon mal: Wer bist Du eigentlich? Und antworte mir: Das weiß ich nicht, ich möchte aber auch gern mitspielen.

COCKTA!L Ist das ausgelebte Schizophrenie, mit der man gutes Geld verdienen kann? Oder einfach harte Arbeit?

Rick Kavanian Ich würde mich ganz klar für harte Arbeit entscheiden.

COCKTA!L Wieviel Spielraum hattest Du, die Charaktere und ihre Eigenheiten mit zu gestalten?

Rick Kavanian Die Figuren gab es teilweise ja schon jahrelang, deshalb waren sie bereits ziemlich genau gezeichnet. Aber natürlich wurden sie jetzt in eine ganz neue Rahmenhandlung gestellt. Und Bully ist nicht der Typ, der in einer solchen Situation minutiös auf der Umsetzung des Drehbuchs besteht. Wenn Du ihm bei der Arbeit Ideen präsentierst, ist er dafür offen.

COCKTA!L Macht es für Dich einen Unterschied, ob Du einen Real- oder einen Animationsfilm synchronisierst?

Rick Kavanian Nein. Du brauchst für beides die gleiche Konzentration, musst die gleiche Power bringen. Bei allem Respekt für die Kollegen gibt es gelegentlich Filme, bei denen ich spüre: Naja, das hat man halt gemacht, aber da war kein Herzblut dabei. Und auch bei mir gibt es vielleicht die eine oder andere Produktion, für die das gilt. Das finde ich im Nachhinein schade! Ich find, man muss immer mit der gleichen Vehemenz ans Werk gehen. Ganz egal, was man da gerade spielt oder spricht.

COCKTA!L Bully sagt selbst, ein Animationsfilm sei für den Regisseur eine massive Geduldsprobe. Machte sich das bemerkbar? Hat er - passend zum Film - bei der Arbeit gelegentlich den wilden Kaiser gespielt?

Rick Kavanian Ein bisschen, klar! Aber es ist eben auch sein Film, es ist seine Verantwortung! Er muss dieses Ding rechtzeitig und entsprechend seiner Vision ins Kino bringen. Das schaffst du nicht mit einer entspannten Laisser-faire-Haltung, da musst du den Leuten schon klar sagen, wo es lang geht und musst gelegentlich auch richtig Dampf machen. Das finde ich korrekt und absolut nachvollziehbar. Dabei ist er aber kein Regisseur, der am Set herumschreit. Das braucht er nicht. Ich kenne den Mann mein halbes Leben lang, unser Umgang ist einfach auch ein ganz besonderer. Wie bei einem alten Ehepaar: Ich bin derjenige, der etwas länger braucht bis er sagt, was ihm nicht passt. Er ist da schneller und direkter und sagt mir genau auf die Zwölf, was gerade los ist. Aber das ist doch auch völlig in Ordnung so. Wir arbeiten schon so lange und so gut zusammen und ich kann ihn sehr gut verstehen. Es gibt Momente, in denen er seine Vision immer wieder aufs Neue kommunizieren muss.

COCKTA!L Du hast gerade angesprochen, wie lange Ihr schon zusammen arbeitet. Wie hat sich Bully in dieser Zeit verändert? Und: Unter welchen Bedingungen bist Du auch bei seinem nächsten Projekt dabei?

Rick Kavanian Die allererste Bedingung wäre... - nein, ich bin immer wieder gern dabei! Es klingt jetzt vielleicht komisch, aber seit ich mit meinem Bühnenprogramm allein auf Tournee bin und nicht mehr so eng mit Bully zusammen arbeite, haben wir viel mehr Zeit für private Dinge. Wir treffen uns und fragen: Was machst Du gerade so? und kommen dann ganz schnell an den Punkt Wollen wir nicht irgendwas zusammen machen? Es ist einfach klar, dass wir irgendwann auch wieder zusammenfinden. Wir haben soviel schöne und auch erfolgreiche Sachen zusammen gemacht und nach all den Jahren weiß man auch, worauf man sich einlässt. Er weiß, was er von mir erwarten kann und ich weiß, was ich an ihm habe.

COCKTA!L Den ersten Teil der Frage hast Du elegant umgangen: Wie hat er sich mit den Jahren verändert?

Rick Kavanian Wovor ich den Hut ziehe: Er weiß als Regisseur sehr, sehr genau, was er will. Das hat für einen Schauspieler zwei große Vorteile. Du kannst nicht Larifari spielen. Und du hast die Sicherheit, er wird dich so inszenieren, dass du dich später garantiert nicht schämen musst, wenn du dich auf der Leinwand siehst. Stattdessen weißt du bei seinen Projekten: Ich bin in einem Film, der mit sehr viel Liebe und Genauigkeit gemacht ist. Dafür ist Bully ein Garant, und das hat er in den letzten zehn Jahren extrem perfektioniert. Wenn ein Regisseur am Set so perfekt vorbereitet ist wie er und du es als Schauspieler auch bist, gibt es tatsächlich die Chance, dass bei der Arbeit etwas Neues entsteht. Weil einfach ein bisschen Luft dafür da ist, auch wenn Drehtage einen extrem engen Zeitplan haben. Und dann passieren die besonderen, nicht geplanten Momente, die du hinterher auf der Leinwand siehst. Und die dafür sorgen, dass der Film eben noch ein bisschen mehr Spaß macht.

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