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Exlusiv Interview
Interview mit Steffen Keth von DE/VISION
Von Diana Sonnenberg | 14. August 2008    Drucken eMail
Nach einigen Bandveränderungen besteht DE/VISION heute noch aus den beiden Gründungsmitgliedern Steffen Keth und Thomas Adam. Mit mehr als 20 veröffentlichten Singles und 18 Alben haben sie die Electro-Szene in den letzten 20 Jahren immer wieder begeistert und überrascht. Die fortwährende Öffnung für neue musikalische Einflüsse ist das große Erfolgsrezept des Electro-Duos. Für chexx hat Steffen Keth mit Diana Sonnenberg über 20 Jahre Bandgeschichte, die musikalischen Wurzeln der Band und die peinlichsten Bühnenerlebnisse gesprochen.

COCKTA!L Was ist so fesselnd an Electro-Musik, dass man sie 20 Jahre lang produzieren möchte?

Steffen Keth Gute Frage. Ich denke, gerade im elektronischen Bereich kann man sehr viele verschiedene musikalische Facetten ausprobieren, so dass es nie wirklich langweilig wird. Außerdem gilt auch hier der Satz: Was man mit der Muttermilch einsaugt wird man nie wieder los. Elektronische Musik hat mich in meinen jungen Jahren sehr stark geprägt, ich liebe diesen Sound!

COCKTA!L Muss man als mustergültiger Electro-Musiker eigentlich auch ein bestimmtes Klischee erfüllen, wie etwa Rockmusiker, die Hotelzimmer zerlegen, trinken und sich daneben benehmen?

Steffen Keth Wir haben uns noch nie was aus diesen Klischees gemacht. Jede Szene muss damit leben, aber in unserem Fall haben wir uns immer dagegen gewehrt. Ich kenne übrigens eine Menge Elektro-Musiker, die viel trinken und sich wie Rockmusiker aufführen. Ich persönlich möchte durch unsere Musik auffallen, der Rest ist mir ziemlich egal.

COCKTA!L Wie könnte eine große Schlagzeile auf der Titelseite einer bekannten deutschen Tageszeitung über euch lauten?

Steffen Keth 50 Jahre DE/VISION!!!

COCKTA!L In zwanzig Jahren entwickelt man sich persönlich enorm weiter. Welchen Einfluss hatte das auf eure Musik?

Steffen Keth Keine Frage, dass sich die persönliche Entwicklung auch auf die Musik auswirkt. Wir haben uns immer mehr anderen musikalischen Richtungen geöffnet, persönlich wie auch beim Produzieren. Ohne Weiterentwicklung herrscht Stillstand, und den wollen wir auf alle Fälle vermeiden.

COCKTA!L Kann es auch passieren, dass man sich in gewissen Zeiten verbiegen muss, um musikalisch und finanziell nicht unterzugehen, oder kann man tatsächlich über einen so langen Zeitraum seine eigene Musik leben?

Steffen Keth Natürlich ist man schon gewisse Kompromisse eingegangen, aber gerade seit dem Weggang von Wea Records haben wir uns immer mehr davon befreit. Wir bestimmen unseren Sound schon selbst, die Plattenfirma hält sich da schon sehr stark zurück.

COCKTA!L Mit Monosex und Void habt ihr Ende der 90er Jahre kurzzeitig euren musikalischen Stil verändert. Muss man sich manchmal selbst neu erfinden?

Steffen Keth Für uns war es schon immer wichtig, diverse Dinge auszuprobieren, und so auch während der WEA – Phase. Monosex ist ja bislang unser erfolgreichstes Album und es war uns damals enorm wichtig, neue Wege zu gehen. Wir hatten durch den Deal einfach mehr Möglichkeiten, unsere Ideen auch auszuprobieren und wir verspürten diesen Drang, aus lieb gewonnenen Gewohnheiten auszubrechen. Void war für uns ein sehr wichtiges Album, auch wenn uns sehr viele Fans dafür gehasst haben oder sogar noch hassen. Ohne diese Änderung gäbe es die Band vielleicht gar nicht mehr, oder aber wir wären jetzt vielleicht sogar stinkreich. Wir sind froh, diesen Weg gegangen zu sein.

COCKTA!L Ihr seid bekannt für eure musikalische Experimentierfreudigkeit. Welche Dimensionen bzw. Stile habt ihr dabei schon durchlaufen und warum wolltet ihr die gitarrenlastige Richtung nicht beibehalten?

Steffen Keth Oh Gott, welche musikalischen Stile haben wir durchlaufen. Ich denke, es spiegelt sich einiges von Alternative Bands wie Placebo & Coldplay wieder, aber auch Anleihen von Acts wie Fatboy Slim, Chemical Brothers, Underworld usw. sind in unserer Musik wieder zu finden. Man soll seine Wurzeln nie leugnen, und diese sind nun mal ganz klar im elektronischen Bereich zu finden. Zurzeit fühlen wir uns einfach wieder wohler überwiegend im elektronischen Bereich unterwegs zu sein. Was die Zukunft bringt, wissen wir diesbezüglich aber nicht. Wir sind für fast jede Schandtat zu haben *grins*

COCKTA!L Welche Faktoren beeinflussen eure Texte und die musikalische Atmosphäre eurer Musik?

Steffen Keth Unsere Umwelt und nähere Umgebung!

COCKTA!L In den vielen Jahren eurer Bandgeschichte sind doch sicherlich viele Songideen auf der Strecke geblieben. Sichtet ihr manchmal altes Material, um es eventuell zu überarbeiten?

Steffen Keth Nein, die alten Ideen werden nicht mehr hervorgeholt, da wir lieber nach vorne schauen, wir schreiben unsere Songs aus dem Moment heraus, altes Material stört bei diesem Prozess.

COCKTA!L Gibt es ein Album, mit dem Du Dich heute nicht mehr identifizieren kannst, oder eines, das eine ganz besondere Bedeutung für Dich hat?

Steffen Keth Es gibt immer mal wieder Songs, die ich heute nicht mehr schreiben würde, mit denen ich mich einfach nicht mehr identifizieren kann. Welche Songs das sind, bleibt aber mein Geheimnis, da es auch Hörer gibt, denen gerade diese Songs gefallen. Dies trifft bei ganzen Alben aber nicht zu.

COCKTA!L Woher bezieht ihr seit 20 Jahren eure Motivation, Inspiration und Energie?

Steffen Keth Diese Frage habe ich mir natürlich auch schon gestellt, natürlich muss man einfach Spaß an dem haben, was man macht. Momentan besitzen wir noch die Freiheit, ausschließlich unseren Traum zu leben. Manchmal fragt man sich aber auch, weshalb man den Beruf des Musikers eigentlich noch ausübt, gerade wenn man sich wieder die Verkaufszahlen anschaut. Da muss man sich dann doch erneut motivieren, denn es ärgert einen schon, wenn eine Menge Leute der Meinung sind, Musik gibt es zum Nulltarif. Leider hält dieser Trend an!

COCKTA!L Während eurer Erfolgsgeschichte gab es auch Phasen, in denen man wenig von euch gehört hat. Was macht ihr in diesen Zeiten?

Steffen Keth Wir sind da eigentlich ganz normal, machen all die Dinge, die auch andere Leute so machen. Man liest ein Buch, trifft sich mit Freunden oder der Familie, faulenzt einfach mal ne Zeitlang.

COCKTA!L In zahlreichen bisherigen Interviews wurdet ihr auf die Bedeutung eures Bandnamens angesprochen. Nervt es eigentlich, wenn man zum X-ten Mal die gleiche Frage beantworten muss?

Steffen Keth Nun ja, es gibt ja immer wieder Leute die uns noch nicht kennen, da macht es dann schon Sinn, wenn man seinen Bandnamen erklärt, aber es gibt auch Momente wo einen so was nervt. Ich würde sagen, das hängt von der Tagesform ab. *grins*

COCKTA!L Welche Fragen wurden euch in Interviews am häufigsten gestellt?

Steffen Keth Die Bedeutung unseres Bandnamens und natürlich der Vergleich zu Depeche Mode.

COCKTA!L Was war Dein spannendstes Groupie-Erlebnis?

Steffen Keth Ich habe keine Groupies und finde so was auch ziemlich albern!

COCKTA!L Welcher Sünde kannst Du einfach nie widerstehen?

Steffen Keth Schokolade!

COCKTA!L Was wäre anders, wenn Du eine Frau geworden wärst? Wärst Du dann Electro-Musikerin oder vielleicht eher wie Angela Merkel oder Alice Schwarzer?

Steffen Keth Kann ich wirklich nicht beantworten, aber der Beruf der Electro-Musikerin würde mich schon ein wenig mehr reizen.

COCKTA!L In den 20 Jahren Bandgeschichte gab es doch sicherlich auch mal peinliche Bühnenereignisse und unvergessliche Pannen, oder?

Steffen Keth Mir war es auf der letzten Tour schon etwas peinlich, als wir in Essen spielten und ich meine Ansage mit Hallo Bochum begann *räusper* … ansonsten geht das eigentlich mit den Peinlichkeiten. Die unvergesslichste Panne hatten wir in Mexico City, als unser Liveplayback ca. 10 x ausgefallen ist, nicht zu vergleichen mit einer ähnlichen Panne in Berlin, als unser Apple einfach nicht mehr laufen wollte. Das Tolle an solchen Pannen ist jedoch, dass die Stimmung danach dann meist besser ist als davor. *hahaha*

COCKTA!L Wie würdest Du DE/VISION mit wenigen Worten beschreiben?

Steffen Keth Das überlasse ich lieber anderen Leuten!

COCKTA!L Welche musikalischen Ansprüche stellt ihr für die Zukunft an euch selbst?

Steffen Keth Einfach weiterhin gute Songs schreiben!

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